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Im Konflikt mit der Wirklichkeit

Das Gedicht "Realitätsprinzip" von Erich Fried enthält eine Strophe, die mich seit ich sie vor einigen Wochen gelesen habe sehr beschäftigt:

Was wäre das
für eine Welt
wenn die Wirklichkeit
diese Wirklichkeit rund um uns
auch die Wahrheit wäre?

Es wäre eine fürchterliche Welt, weil sie so bleiben müsste, wenn alles Wirkliche auch wahr wäre. Oft ist diese Wirklichkeit so unglaublich schlimm, dass man sich mit ihr nicht abfinden möchte. Und doch tun wir als "Alltags-Realisten" die meiste Zeit unseres Lebens nichts anderes, als "diese Wirklichkeit rund um uns" zu akzeptieren. Wir tun das, obwohl wir spüren, dass diese Wirklichkeit nicht "wahr" ist - im Sinne von "geht nicht anders, muss so sein".

Feiertage sind unverzichtbar wichtig: Sie unterbrechen die alltägliche Wirklichkeit. Sie stellen uns überlieferte Bilder vor Augen, die uns zeigen oder doch ahnen lassen, dass die Wahrheit einer anderen Welt denkbar, manchmal sogar erfahrbar ist.

Mag Weihnachten heutzutage vor allem als winterliches "Fest der Familie" gefeiert werden, für mich ist es vor allem immer noch das Fest einer unglaublichen Behauptung: Gott verlässt die "himmlischen Sphären" und mischt sich als neugeborener Mensch in unsere irdisch-niedrigen Wirklichkeiten ein. Weihnachten sagt mir deshalb Jahr für Jahr: Es kann nicht bleiben wie es eben ist, weil so manche Wirklichkeit falsch ist.


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